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September 2020 – Besuch aus Guinea
Anfang September bekam Liberia Besuch von zwei Elefantenbullen aus Guinea. Sie stammen vom Ziama Massiv, einem Biosphären-Reservat an der nordöstlichen Grenze mit Liberia, und sind der guineischen Waldschutzbehörde aufgrund ihrer tragischen Geschichte wohl bekannt. Die beiden Dickhäuter sind vermutlich Brüder und verloren im August 2016 ihre Mutter, als sie von guineischen Wilderern getötet wurde. Seitdem halten sich die zwei Waisen bevorzugt in der Nähe von menschlichen Siedlungen auf und sind dementsprechend an Menschen gewöhnt und zeigen keine Fluchtreflexe. Dies macht sie natürlich äußerst verwundbar und eine leichte Zielscheibe für Wilderer. In Guinea stehen sie deshalb unter kontinuierlicher Beobachtung durch die Waldschutzbehörde. Anfang September machten sich die beiden Bullen nun plötzlich zu einer Reise gen Südosten auf, wanderten zunächst nach Liberia, durchquerten dort den Nordosten und machten einen kurzen Ausflug in die Elfenbeinküste. Mittlerweile (22.10.2020) sind die beiden wanderlustigen Gefährten wieder im Norden Liberias zurück. Es lässt sich kaum vorhersagen, was sie als nächstes vorhaben, die beiden machen es wirklich spannend! Aufgrund diese speziellen Situation haben wir zusammen mit Partnerorganisationen und der liberianischen Waldschutzbehörde ein “Elefanten-Notfall-Komitee“" gegründet und einen Notfallplan zum Schutz sowohl der beiden Besucher wie auch der z.T. sehr begeisterten Landbevölkerung erstellt, um gefährliche Situationen wie auch etwaige Plünderungen von Farmen von vornherein zu vermeiden. Sobald es die Straßenverhältnisse nach der nun endenden Regenzeit erlauben, werden wir natürlich sofort eine Expedition starten und die beiden “Touristen“ im Norden Liberias besuchen, unter anderem um frische Kotproben für die genetische Analyse zur Klärung ihres Verwandtschaftsverhältnisses zu sammeln.
30.06.20 – Notfall in Gola Konneh!
Mit Beginn der Regenzeit ab Mai/Juni verlassen die Elefanten nach und nach wieder ihre abgelegenen Rückzugsgebiete und breiten sich weiter über größere Regionen aus. Das ist die Zeit in der es auch vermehrt zu Mensch-Elefanten-Konflikten kommt. Besonders außerhalb der Schutzgebiete werden die noch vorhandenen potentiellen Elefantenhabitate zunehmend durch menschliche Aktivitäten wie Brandrodung für Landwirtschaft zerstört und fragmentiert. Des Weiteren fällt die Ernteperiode vieler Feldfrüchte wie z.B. Mais, Reis und Cassava in die Regenzeit, so dass Elefanten nun häufig Farmen aufsuchen um sich dort am reich gedeckten Tisch zu bedienen. Dabei sind meist die weiter von Dörfern abgelegenen Farmen nahe verbleibender Elefantengebiete betroffen, doch kann es in Ausnahmefällen auch dazu kommen dass Elefanten näher an die menschliche Siedlungen herankommen bzw. diese sogar betreten.
Dies war vor kurzem der Fall in Gola Konneh, einem Distrikt am westlichen Ende des nördlichen Waldblockes, das an den Gola Nationalpark grenzt. Mitte Mai erreichten uns die Anrufe aufgeregter Dorfbewohner die uns berichteten dass sich mehrere Elefanten in den umliegenden Farmen aufhalten und einige nachts sogar ihre Dörfer aufsuchen und Bananenstauden und Mangos fressen würden. Schnell stellten wir mit unseren Partnern von der liberianischen Waldschutzbehörde ein Notfall-Team zusammen und statteten der Dorfgemeinde einen dreitätigen Aufklärungsbesuch ab. Dabei führten wir sowohl Gespräche mit betroffenen Farmern als auch Feldbegehungen und Besichtigungen der geplünderten Felder durch.
Mensch-Elefanten-Konflikte sind ein weit verbreitetes Problem und aus allen Ländern bekannt, in denen es zur Überschneidung menschlicher Aktivitäten mit Elefantengebieten kommt. Sie sind daher sehr gut untersucht und mittlerweile gibt es einen ganzen “Katalog“ an wissenschaftlich fundierten Maßnahmen, die zu einer angemessenen Lösung beitragen können. Hier braucht es in Liberia noch viel Aufklärungsarbeit. Wie sich herausstellte fühlen sich die Leute in Gola Konneh völlig hilflos und kennen bis auf Lärm und Feuer kaum wirksame Methoden zur Konfliktlösung. Die Dorfbewohner bleiben meist völlig passiv, sind verständlicherweise verängstigt oder aber entwickeln einen regelrechten Hass auf Elefanten. Nicht wenige sind der Meinung, die einzige Lösung bestehe darin, “Problemelefanten“ zu töten. Hier ist schnellstens Abhilfe zu leisten, zunächst einmal durch Einführung effektiver, einfacher und kaum kostenaufwendiger Sofortmaßnahmen, wie gemeinsamer Bewachung von Farmen, den Einsatz von Taschenlampen und Lärm, Abbrennen von Chilibriketts etc.. Auf Dauer müssen dann natürlich die tiefer zugrundeliegenden Ursachen wie z.B. das weitere Vordringen in Elefantenhabitate angegangen und durch langfristige Maßnahmen wie strategische Landnutzungspläne gelöst werden. Bei unserem Besuch in Gola Konneh erhielten die Farmer u.a. eine kurze Schulung in unbedenklich anwendbarer Soforthilfemaßnahmen und berichteten uns einige Tage später, dass sie damit die Elefanten erfolgreich vom weiteren Betreten der Dörfer abhalten konnten. Ein intensiveres Training für Gola Konneh und andere betroffene Kommunen ist bereits in Planung.
Update zu COVID 19 und unserer Arbeit in Liberia
In Liberia wurde der erste Corona-Fall Mitte März 2020 gemeldet und bisher verlief die Ausbreitung des Virus relativ moderat und hauptsächlich auf die Hauptstadt Monrovia beschränkt. Aufgrund der Ebolakrise von 2014 ist Liberia mit Situationen wie derzeit unter COVID 19 bestens vertraut und dementsprechend wurden zügig diverse nationale Sicherheitsmaßnahmen ergriffen. Dennoch konnten wir unsere Arbeit bisher, wenn auch mit einigen Einschränkungen, unter Einhaltung aller Vorschriften nahezu wie geplant fortsetzen. Generell stellt COVID 19 aber natürlich auch für den Natur- und Wildtierschutz eine enorme Herausforderung dar, sei es weil laufende Projekte und Schutzmaßnahmen vorübergehend unterbrochen werden müssen, oder weil potentielle Geldgeber angesichts der Corona-Epidemie ihre Förderschwerpunkte verlagern bzw. bereits zugesicherte Budgets kürzen müssen. Wir hoffen dass der Elefantenschutz, sowohl hier in Liberia als auch in anderen Ländern, nicht zu sehr unter den Auswirkungen von COVID 19 leiden wird und werden unsere Arbeit unermüdlich fortsetzen.
31.03.20 – Erste Zwischenbilanz
Die vergangene Trockenzeit haben wir voll ausgenutzt und waren von November bis Februar nahezu ununterbrochen im Wald unterwegs. Nun haben wir zwei Drittel des nordwestlichen Waldblockes abgedeckt und sämtliche Daten ausgewertet, die wir bisher gesammelt haben.
Erfreulicherweise haben wir in fast allen untersuchten Gebieten Elefantenspuren gefunden. Momentan gehen wir davon aus dass es im Nordwesten mindestens noch 5 verschiedene Gruppen gibt, die alle eine gesunde Populationsstruktur aufweisen. Das heißt dass alle Alters- und Größenklassen in Anteilen vertreten sind, wie man es von einer langlebigen und sich langsam fortpflanzenden Art wie dem Waldelefanten erwarten würde. Die Kerngebiete der Gruppen befinden sich z.T. in bereits ausgewiesenen Schutzgebieten, was die Wichtigkeit der langfristigen Erhaltung dieser Waldareale noch einmal unterstreicht.
Ein weiteres Hauptergebnis ist die Analyse des Wanderverhaltens, das hauptsächlich durch die saisonale Verfügbarkeit von Wasser- und Nahrungsressourcen gesteuert, aber auch durch das Ausmaß menschlicher Störfaktoren beeinflusst wird. Generell ziehen sich die Waldelefanten in der Trockenzeit tiefer in abgelegene Waldgebiete zurück, während sie sich in der Regenzeit weiter und über größere Regionen ausbreiten.
Die größten Gefahren für Waldelefanten im Nordwesten Liberias stellen die zunehmende Fragmentierung der verbleibenden Waldfläche sowie störende Einflüsse durch menschliche Aktivitäten wie Brandrodung zur Gewinnung von Farmland, Erzabbau und Holzeinschlag dar, wodurch die Tiere mancherorts in Bedrängnis geraten und es zu Mensch-Elefanten-Konflikten kommen kann. Meist handelt es sich dabei um Ernteschäden, weil die Farmen immer näher an ursprüngliches Elefantenhabitat gebaut werden. In einigen der betroffenen Dörfer sind bereits unsere Elefanten-Schützer vor Ort, um uns über derartige Vorkommnisse auf dem Laufenden zu halten und die Dorfbewohner in bewährte Konflikt-Lösungsansätze einzuführen.
24.10.2019 - Training von Elefanten-Schützern
Im Oktober führten wir ein Ausbildungsprogramm zum Waldelefantenschutz durch. 7 ausgewählte Mitarbeiter der liberianischen Forstbehörde (FDA) und 8 ortsansässige Vertreter von vier Kommunen aus dem nördlichen Waldblock Liberias wurden über 2 Tage zu den Themen Waldelefanten Ökologie, Geschützte Tierarten Liberias, Vermeidung von Mensch - Elefanten - Konflikten und in der kontinuierlichen Aufnahme von Waldelefanten Daten trainiert.
Mit den 8 ausgebildeten Vertretern aus den vier unterschiedlichen Kommunen haben wir nun die Möglichkeit, ganzjährig zielgerichtete und standardisierte Informationen zu erhalten, und können somit in bestimmten Situationen wie z.B. bei Mensch-Elefanten-Konflikten sofort reagieren. Das ist ein weiterer wichtiger Schritt zum effektiven Schutz des Waldelefanten in Liberia.
12.08.2019 - Lernen, Radioshow, Zeitung
12.08.2019 Liberia feiert zum ersten Mal zusammen mit ELRECO den Welt Elefanten Tag. Schon morgens von 8:00-10:00 veranstalteten wir ein landesweites Radioprogramm mit Informationen zu unserem Waldelefantenschutzprojekt in Liberia und der Region.

Zusätzlich verteilten wir in den drei größten Supermarktketten in Monrovia mehrere hundert Flyer zum Elefantenschutz Programm von ELRECO und der Waldschutzbehörde.

Auch die Presse veröffentlichte mehrere Artikel in unterschiedlichen Tageszeitungen. Lesen Sie dazu den kompletten Artikel auf unserer englischsprachigen NEWS! Seite.
20.06.2019 - Erste Karte, Auswertung, Planung
Nach fünf Monaten im Wald sind wir soweit eine erste Auswertung der bisher erhobenen Daten vorzunehmen, was ist für uns eine sehr spannende Sache ist. Durch die Analyse können wir unsere ersten subjektiven Eindrücke die wir im Wald gesammelt haben mit Zahlen unterlegen. Der Datensatz wird Rückschlüsse auf die Verbreitung und relative Häufigkeit von Waldelefanten im Norden Liberias erlauben. Für 2019 planen wir noch eine weitere Expedition im August, womit wir dann mehr als 50% der Waldgebiete im Norden erforscht haben werden.
01.05.2019 - Pannen, Lernen und neue Freunde
Die Regenzeit kommt immer näher und die ersten Regengüsse verursachten gleich ein großes Verkehrschaos, was jedoch für Liberia nichts Außergewöhnliches ist. Irgendwie kommt man dann doch immer wieder weiter, allerdings ist Geduld gefragt. Auch wir wurden nicht verschont - einmal blieben wir im wahrsten Sinne des Wortes in einer Brücke stecken, ein anderes Mal versagten die Bremsen... für unseren versierten Fahrer aber alles kein Problem. In verschiedenen Schulen und Gemeinden veranstalteten wir Aufklärungskampagnen zum Thema Waldelefanten und gewannen viele neue Freunde.
01.04.2019 Messen, Sammeln und Fußspuren
Auf zum nächsten Elefanten survey! Unser Ziel: Die Provinz Lofa im äußersten Nordwesten Liberias an der Grenze zu Sierra Leone. In diesem Gebiet fanden wir gleich in den ersten Tagen jede Menge frischer Elefantenspuren. Zur Datenaufnahmen gehören unter anderem das Vermessen der Fußabdrücke (der Umfang des Vorderfußes entspricht der halben Schulterhöhe des Elefanten) sowie das Sammeln von Kotproben zur DNA Analyse im Labor. Elefanten hinterlassen aber auch noch andere Anzeichen wie z.B. abgeschabte Baumrinde, abgeknickte Zweige und Scheuerspuren an Baumstämmen, die ebenfalls einen Hinweis auf die Körpergröße liefern.
27.12.2018 - Es geht los!
Seit der Gründung von ELRECO im Juli 2017 waren wir hauptsächlich mit der Akquirierung von Geldern beschäftigt, um die praktische Arbeit in Liberia finanzieren zu können. Dank der Spenden zahlreicher Privatpersonen sowie einiger größerer Organisationen konnten wir am 06. Dezember nun endlich loslegen und unternahmen eine erste Expedition in das relativ schwer zugängliche Waldgebiet Wologizi im Nordwesten Liberias. Gemeinsam mit ortskundigen Führern überquerten wir Berge und reißende Flüsse, um immer tiefer in das Herz Wologizis vorzudringen, wo wir die Waldelefanten vermuteten. Die Strapazen haben sich gelohnt – wir konnten einen ersten Nachweis liefern, dass in dem von uns erforschten Gebiet noch eine relativ große Population lebt. Um genauere Zahlen zur Verbreitung, Populationsdichte und Wanderrouten der Waldelefanten zu erhalten sind detailliertere Studien notwendig. Anfang Januar 2019 brechen wir zu einer zweiten Expedition auf um noch andere potentielle Waldelefanten Gebiete zu erforschen.